“Menschen, die für die Sache brennen und andere begeistern können”
Als Fabian Teilnehmer bei der Chemie-Olympiade war, war Patrik deren Präsident. Heute ist Fabian Präsident und sieht Patrik als Vorbild. Wie fühlt es sich an, ein Vorbild zu sein? Die Freiwillige Aysan hat sich mit Fabian und Patrik darüber unterhalten, was Vorbilder ausmacht, zu wem sie aufschauen und was man sich von der Chemie-Olympiade abschauen darf.
Fabian Hollinger (rechts) ist seit 2023 Präsident der Chemie-Olympiade und doktoriert im Bereich Chemistry Education am University College in Dublin. Patrik Willi (links) präsidierte die Chemie-Olympiade von 2017 bis 2023 und doktoriert als Chemieingenieur mit Fokus auf nanostrukturierten Katalysatoren an der ETH Zürich. (Bilder: Claudia Christen)
Fabian Hollinger (links) ist seit 2023 Präsident der Chemie-Olympiade und doktoriert im Bereich Chemistry Education am University College in Dublin. Patrik Willi (rechts) präsidierte die Chemie-Olympiade von 2017 bis 2023 und doktoriert als Chemieingenieur mit Fokus auf nanostrukturierten Katalysatoren an der ETH Zürich. (Bilder: Claudia Christen)
Fabian Hollinger (links) ist seit 2023 Präsident der Chemie-Olympiade und doktoriert im Bereich Chemistry Education am University College in Dublin. Patrik Willi (rechts) präsidierte die Chemie-Olympiade von 2017 bis 2023 und doktoriert als Chemieingenieur mit Fokus auf nanostrukturierten Katalysatoren an der ETH Zürich. (Bilder: Claudia Christen)
Fabian Hollinger (links) ist seit 2023 Präsident der Chemie-Olympiade und doktoriert im Bereich Chemistry Education am University College in Dublin. Patrik Willi (rechts) präsidierte die Chemie-Olympiade von 2017 bis 2023 und doktoriert als Chemieingenieur mit Fokus auf nanostrukturierten Katalysatoren an der ETH Zürich. (Bilder: Claudia Christen)
Fabian Hollinger (rechts) ist seit 2023 Präsident der Chemie-Olympiade und doktoriert im Bereich Chemistry Education am University College in Dublin. Patrik Willi (links) präsidierte die Chemie-Olympiade von 2017 bis 2023 und doktoriert als Chemieingenieur mit Fokus auf nanostrukturierten Katalysatoren an der ETH Zürich. (Bilder: Claudia Christen)
Aysan Yilmaz ist im Vorstand der Chemie-Olympiade für die Kommunikation zuständig, studiert im Master Chemie an der ETH Zürich und forscht am Paul Scherrer Institut an Kathodenmaterialien für Batterien. (Bild: Chemie-Olympiade)
Aysan: Letztes Jahr haben wir auf dem Instagram der Chemie-Olympiadedie Vorstandsmitglieder vorgestellt. Fabian, dort hast du erzählt, dass du zu Patrik aufschaust, der vor dir Präsident war und dich an die Internationale Chemie-Olympiade begleitet hat. Was hat dich an ihm beeindruckt?
Fabian: Als Olympiadenteilnehmer schaut man grundsätzlich zu den Freiwilligen auf. Sie sind cool, organisieren alles, wissen so viel… Patrik schien immer alles im Griff zu haben. Wenn es irgendwo ein Problem gab, hat er es gelöst und dabei Ruhe ausgestrahlt. Er checkt auch, wann es Zeit ist, nicht mehr rumzualbern und seriös zu werden. Als Präsident hat mir Patrik vermittelt, dass man sich Zeit nehmen sollte, mit allen Vereinsmitgliedern zu sprechen. Ich achte darauf, dass ich mich an der Generalversammlung mit allen ein, zwei Minuten unterhalte.
Aysan: Wie ist es, zu hören, dass Fabian zu dir aufschaut?
Patrik: Schön, aber ein ungewohntes Gefühl! Vor allem finde ich es interessant, dass er mich als Ruhepol empfunden hat. Ich fühlte mich selten ruhig während meiner Freiwilligenarbeit. Als ich angefangen habe, gab es einen Generationenwechsel und wir mussten uns als neue Freiwillige viel Wissen erst wieder neu aneignen… Aber umso besser, wenn man trotzdem als Vorbild dienen konnte!
Aysan: Zu wem hast du denn aufgeschaut, als du jünger warst?
Patrik: Meine Eltern haben mich und meine Schwester wirklich immer unterstützt bei dem, was wir machen wollten. Diese Werte habe ich aufgenommen und will ich auch weitergeben. Es gibt viele auch Leute bei der Chemie-Olympiade, denen ich dankbar bin. Als ich Teilnehmer war, hat der damalige Präsident Peter Ludwig meine Begeisterung entfacht. An Maurice Cosandey hat mich natürlich inspiriert, wie er die Chemie-Olympiade aufgebaut hat, das ist Wahnsinn. Auch meinem Vizepräsidenten Dominic schulde ich sehr viel Respekt und Vertrauen. Er hat mir so oft den Rücken freigehalten und dafür gesorgt, dass der nationale Wettbewerb problemlos weiterlief, während ich mich für die Internationale Chemie-Olympiade 2023 in Zürich engagierte.
Aysan: Wie lange warst du eigentlich Präsident?
Patrik: Sechs oder sieben Jahre…
Aysan: Wolltest du das so lange machen?
Patrik: Nein. Ich war lange auch gar nicht sicher, ob ich bei der Internationalen Chemie-Olympiade 2023 involviert sein möchte. Heute bin ich sehr froh, dass ich dabei war, ich konnte so vieles mitnehmen! Manchmal lohnt es sich, sich auf ein Abenteuer einzulassen, wenn man unentschlossen ist.
Aysan: Welche Eigenschaften machen jemanden eigentlich zum Vorbild?
Patrik: Die Menschen, die bei mir den besten Eindruck hinterlassen, brennen voll für die Sache, nehmen sich selbst auch mal zurück und können andere für die Sache begeistern.
Fabian: Ein guter Wertekompass ist auch wichtig. Fairness. Allen eine Chance geben, sich einzubringen. Den Weg freimachen für andere.
Patrik: Das muss auch aufrichtig sein. Man kann diese Eigenschaften nicht mechanisch ausüben, man muss sie aus voller Überzeugung leben.
Aysan: Was ist ein Vorbild in der Wissenschaft?
Patrik: Wir können als Wissenschaftler immer nur unser bestes Verständnis zum gegebenen Zeitpunkt weitergeben. Die Wahrscheinlichkeit, dass man im Nachhinein falsch liegt, ist relativ gross. Man muss sich dessen bewusst sein und so sorgfältig wie möglich arbeiten. Leute, die diese Haltung ausstrahlen und auch einfordern, sind Vorbilder.
Aysan: Wie wurde euer Interesse an Chemie entfacht?
Fabian: Ich habe von klein auf Bücher gelesen über Medizin, Anatomie, Pflanzen, physikalische Phänomene… Als Kind ist es aber schwer, sich so etwas wie Moleküle vorzustellen. Man sieht einen Blitz oder ein Tier, die Chemie ist immer etwas verborgen. In der Kanti hat mir mein Chemielehrer, Lorenzo Vela, diese Welt gezeigt. Die Experimente, die wir damals gemacht haben, dürfte man heute im Unterricht wohl gar nicht mehr machen… Richard Walter, der heute mein Vizepräsident ist, war zu der Zeit ein Schüler im Jahrgang über mir und motivierte mich für die Olympiade. Mein Chemielehrer meinte, beim ersten Mal werde ich wohl nicht weiterkommen. Doch es reichte fast bis ins Finale!
Patrik: Ich habe vom altsprachlichen ins naturwissenschaftliche Gymi gewechselt, weil ich gemerkt habe, dass mir Sprachen und musische Fächer nicht so liegen. Ich habe immer gern schon konkrete Dinge gemacht, aber wusste nicht so recht, in welche fachliche Richtung ich gehen sollte. Es wurde Chemie, weil mich mein Chemielehrer, Raphael Sigrist, die erste Runde der Chemie-Olympiade lösen liess, als ich einmal früher fertig war. Als ich dann das Ticket ans Finale in der Tasche hatte, dachte ich: Vielleicht sollte ich dieses Fach ernst nehmen.
Aysan: Du hast gesagt, dass du gern konkrete Dinge machst. Was meinst du damit?
Patrik: Chemie ist extrem konkret. Du hast eine Idee, eine Vorstellung von einem Molekül, das noch niemand beschrieben hat. Du kannst es herstellen und dann untersuchen. Keine andere Wissenschaft schafft ihr Studienobjekt selbst. Das finde ich extrem faszinierend.
Aysan: Gab es auch schon mal eine Situation, in der ihr niemanden hattet, der euch Orientierung geben konnte? Wie geht ihr damit um?
Fabian: An der Uni, klar, es gibt Momente, wo du keine Ahnung hast, was du gerade eigentlich machst. Als Freiwilliger bei der Olympiade eher nicht, da kann immer jemand helfen und du kannst auch sagen: Das ist mir jetzt zu viel - ich bin raus. Das ist etwas anders im akademischen Kontext, wenn du Studiengebühren bezahlst oder wenn du einen Vertrag hast. Das ist ein anderer Druck. Wie man damit umgeht, kann ich nicht beantworten, ich hab’s noch nicht herausgefunden.
Patrik: Ich auch nicht, ehrlich gesagt.
Fabian: Was mir im Moment hilft, wenn ich keine Orientierung habe, ist, mit anderen über meine Probleme zu sprechen. Das löst sie vielleicht nicht, gibt aber Kraft, um sie nochmal mit einem anderen Blickwinkel oder frischer Energie anzugehen.
Aysan: Was ist etwas an der Chemie-Olympiade, zu dem die anderen Wissenschafts-Olympiaden eurer Meinung nach aufschauen dürfen?
Fabian: Wir sind die älteste Olympiade in der Schweiz. Als solche halten wir uns im Verband nicht zurück und sagen nicht einfach “okay” zu allem.
Patrik: Wir haben öfter ein bisschen queruliert, aber der Zusammenschluss der Olympiaden lebt davon, dass kein Verein seine Meinung verstecken muss. Man mag eine Meinung blöd finden, aber der Dialog muss aufrecht erhalten werden, das gehört dazu.
Aysan: Und wo könnten wir uns an anderen Olympiaden ein Vorbild nehmen?
Patrik: In letzter Zeit haben mehrere Olympiaden ihre Reichweite massiv vergrössert. Wir sind etabliert, aber ich denke auch, dass es noch Interessierte gibt, die wir nicht erreichen. Da wäre es schön, zu schauen, wie andere Olympiaden verschiedene Sprachregionen oder Altersgruppen ansprechen.
Aysan: Fabian, eines Tages wirst auch du das Amt des Präsidenten weitergeben. Was erhoffst du dir von deiner Nachfolgerin, deinem Nachfolger?
Fabian: Diese Person muss nicht zu mir aufschauen oder meine Meinungen teilen. Ich hoffe aber, dass er oder sie sich gut unterstützt fühlt und mit der Olympiade, wie ich sie hinterlasse, zufrieden ist.
Aysan: Was wünschst du dir für die Jugendlichen, die in Zukunft an der Chemie-Olympiade teilnehmen?
Fabian: Aufregende Events, Freundschaften, neue Chemie.
Patrik: Dass sie die nächste Generation von Freiwilligen werden. Die Olympiade lebt von Freiwilligenarbeit und das macht uns auch aus.
Jahresthema “Look up!” Zu wem schauen wir auf? Was sehen wir, wenn wir nach oben schauen – vielleicht mithilfe eines Teleskops bei der neuen Astronomie-Olympiade? So wie ein Schiff anhand der Sterne seinen Weg findet, geben uns auch Vorbilder Orientierung. 2026 treffen wir inspirierende Menschen und mit jene, die von ihnen inspiriert wurden. Wir stellen Förderangebote vor, an denen man sich ein Beispiel nehmen kann. Und wir richten den Blick zum Himmel. Abonniere jetzt den Newsletter oder folge uns auf Instagram, um nichts zu verpassen!