Vierfache Bronze für Schweizer an der Internationalen Chemie-Olympiade in Usbekistan
Wenn sie Laborkittel und Schutzbrillen aufsetzen und Strukturformeln notieren, sind die Teilnehmenden der Internationalen Chemie-Olympiade (IChO) in ihrem Element. 1987 nahmen erstmals vier Schweizer an der Internationalen Chemie-Olympiade teil - die erste Schweizer Teilnahme an einer Wissenschafts-Olympiade. Dieses Jahr (10.-19. Juli in Taschkent) bringen erstmals alle vier Delegationsmitglieder eine Medaille mit nach Hause - das bisher beste Schweizer Gesamtergebnis:
Besuch in der Botschaft in Taschkent mit Head of Diplomatic Affairs Alexander Schärer. (Alle Bilder: Chemie-Olympiade)
Die Delegationen mit ihren usbekischen Guides. Liechtenstein, v.l.n.r.: Leandro Vogt, Áron Szepessy. Schweiz: Ruben Locher, Dominic Bool, Yuxiang "Apollo" An, Lukas Hannawa.
Je fünf Stunden dauerten die theoretische und die praktische Prüfung während der IChO. “Die Prüfungen waren zwar intensiv und lang, haben mir aber viel Spass bereitet. Besonders die praktische Prüfung, bei der man oft schon schnell einschätzen kann, ob einem eine Aufgabe gelungen ist”, sagt Leandro. Die Fragen behandelten diverse Themen, zum Beispiel sogenannte Covalent Organic Frameworks (COFs), Strukturen, mit der bestimmte Moleküle eingefangen werden könnten - zum Beispiel CO2. 2025 erhielten drei Forschende den Nobelpreis für ihre Forschung zu einem verwandten Thema. “Ich mag die naturwissenschaftliche Herangehensweise und die Chemie ist das perfekte Beispiel dafür”, sagt Lukas über seine Faszination für das Fach. “Wir versuchen, Dinge zu erklären, die wir nicht sehen können.”
Handy-Entzug fördert sozialen Austausch
Auch ausserhalb des Labors wartete ein spannendes Programm auf die Teilnehmenden, darunter Ausflüge zu Moscheen, ein Besuch in einem Freizeitpark, ein Schachturnier oder Public Viewings für die Fussball-WM. Dei Handys hatten die Teilnehmenden nicht dabei. Wie es bei Internationalen Wissenschafts-Olympiaden üblich ist, mussten sie sich während mehrerer Tage von ihren elektronischen Geräten trennen, um Betrugsversuchen vorzubeugen. Apollo wusste diese Regel zu schätzen: “Ohne die Handys haben wir uns mehr miteinander unterhalten, Geschichten ausgetauscht und echte Freundschaften geschlossen. Es war inspirierend, von Leuten umgeben zu sein, die es wirklich lieben, Neues zu lernen. Das wird mir länger in Erinnerung bleiben als der eigentliche Wettbewerb.” Der Genfer hat auf nationaler Ebene mehrere Wissenschafts-Olympiaden ausprobiert und schaffte es ins Chemie-Finale im April, was ihm das Selbstvertrauen gab, tiefer ins Fach einzutauchen: “Wären die Leute bei der Chemie-Olympiade nicht so leidenschaftlich gewesen, hätte ich wohl nie so eine grosse Liebe zur Chemie entwickelt.”
Die Wissenschafts-Olympiade fördert Jugendliche, weckt wissenschaftliche Begabungen und Kreativität und beweist: Wissenschaft ist spannend. Jedes Jahr gibt es 11 Olympiaden und etwa 10’000 Teilnahmen: Workshops, Lager und Prüfungen in Astronomie, Biologie, Chemie, Geographie, Informatik, Linguistik, Mathematik, Philosophie, Physik, Robotik und Wirtschaft. Die Organisatoren sind junge Forschende, Studierende oder Lehrpersonen, die freiwillig viele Stunden und Herzblut in das nationale Programm investieren. Die besten Teilnehmenden vertreten die Schweiz an internationalen Wettbewerben. Wer mitmachen möchte, kann nach den Sommerferien online an den ersten Runden teilnehmen.