Dafftin Schenk, Teilnehmer an Olympiaden in Paraguay und der Schweiz
Manchmal nehmen junge Menschen nicht an mehreren Wissenschafts-Olympiaden teil, sondern an derselben Olympiade in verschiedenen Ländern! Im März sprachen wir mit Leonard Cardenas, der sowohl in Kuba als auch in der Schweiz an der Mathematik-Olympiade teilgenommen hatte. Dies inspirierte einen jungen Chemiker mit einer ähnlichen Geschichte dazu, ein Interview zu geben.
Warum hast du an der Chemie-Olympiade in Paraguay teilgenommen?
Viele meiner Freunde sprachen ständig über Chemie. Ich besuchte ein normales Gymnasium, meine Freunde hingegen eine technische Schule. Ich konnte sie nicht verstehen, wenn sie über Chemie sprachen; also fing ich bei null an und gab mein Bestes, um ihr Niveau zu erreichen, bis ich schliesslich Paraguay an der Internationalen Chemie-Olympiade (IChO) vertreten durfte.
Du bist im vergangenen Jahr in die Schweiz gezogen. Was hat dich hierher gebracht?
Ich habe immer davon geträumt, hierher zu kommen, um zu studieren, denn ich bin auch Schweizer – mein Vater ist Schweizer.
Wusstest du von Anfang an, dass Sie nach Ihrem Umzug auch an der Schweizer Chemie-Olympiade teilnehmen würden?
Ja! Als ich letzten Sommer zur IChO in den Vereinigten Arabischen Emiraten reiste, traf ich Silas, einen der Schweizer Freiwilligen, und fragte ihn, ob ich auch hier an der Olympiade teilnehmen könnte. Er sagte ja! Ich habe die Schule in Paraguay abgeschlossen und mache nun ein Praktikum in der Krebsforschung an der Universität Bern. Ich hoffe, dieses Jahr wissenschaftliche Artikel zu veröffentlichen, und würde gerne Biochemie oder Biomedizin studieren.
Hast du Unterschiede zwischen der Chemie-Olympiade in der Schweiz und in Paraguay festgestellt?
Es ist total anders! In Paraguay war die Organisation etwas improvisiert. Bei der Schweizer Chemie-Olympiade hatten wir viele Vorbereitungswochenenden, man reist durch das ganze Land. Die Freiwilligen hier unterrichten uns sehr gut und kümmern sich auch wirklich um die Teilnehmenden. Zum Beispiel gab es gestern ein wirklich schönes Abendessen – das ist wie eine Belohnung dafür, dass man den ganzen Tag im Labor steht! Ein weiterer grosser Unterschied ist, dass wir in Paraguay keine praktischen Prüfungen haben, wie wir sie hier haben. Als ich für Paraguay an der IChO war, stand ich zum ersten Mal in einem Labor!
Hier sind die Organisierenden meist ehemalige Teilnehmende und Studierende. Wie war es in Paraguay?
Die Chemie-Olympiade in Paraguay wurde erst vor zwei Jahren ins Leben gerufen, daher gibt es noch nicht so viele Ehemalige. Die Olympiade ist noch nicht so gut etabliert – es gibt insgesamt etwa 400 Teilnehmende, im Gegensatz zu etwa 800 in der Schweiz. Das ist zwar immer noch viel, doch das Hauptproblem ist, dass die Regierung in Paraguay die Reise zur IChO nicht finanziert. Das führt dazu, dass viele aus dem Wettbewerb ausscheiden.
Das ähnelt dem, was Leonard über die Teilnahme kubanischer Jugendlicher an der Internationalen Mathematik-Olympiade gesagt hat…
Ja, und das ist traurig, denn es gibt viele Talente an öffentlichen Schulen, die sich die Reise zur IChO nicht leisten können.
Gab es noch etwas, das Leonard gesagt hat, womit dich identifizieren konntest?
Er sagte, die Menschen seien in der Schweiz etwas verschlossener, und das habe ich am Anfang auch gespürt. In der letzten Woche in Zürich war es jedoch super cool. Wir haben zusammen übernachtet, sind uns näher gekommen… wir waren wahrscheinlich alle ein bisschen gestresst, weil wir uns ansahen und dachten: “Oh, diese Person weiss viel mehr als ich!”Doch eigentlich empfinden wir alle dasselbe, und unsere geteilte Leidenschaft für die Chemie hilft uns, zueinander zu finden.